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3do - ein neuer Hauptbahnhof für Dortmund
AKTUELL (Mai 2006)
Seit Januar 2006 verdichten sich die Anzeichen, dass das 3do nach insgesamt neun Jahren Diskussion über einen neuen Hauptbahnhof für Dortmund kurz vor dem Baubeginn steht. Der Abschluss des auf dieser Seite beschriebenen Planfeststellungsverfahren war im Februar 2006, eine zwischenzeitlich durch die DB erhobene Klage gegen eine Nebenbestimmung des Feststellungsbeschlusses wurde im Mai 2006 nach Gesprächen zwischen DB und Eisenbahnbundesamt (EBA) zurückgenommen. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2007 terminiert, die Fertigstellung für Frühjahr 2010.
PRO BAHN Ruhr begrüßt bei aller Kritik am Planungsverfahren und der erzielten Lösung, dass Dortmund seinen längst überfälligen Bahnhofsneubau bekommt.
Die Diskussion um den Neubau des Dortmunder Hauptbahnhofs läuft seit vielen Jahren. Dass der Bahnhof zu wenig Platz und Komfort für die Vielzahl von Reisenden bietet, ist unumstritten. Für große Diskussionen sorgte der Entwurf eines UFO-förmigen Baukörpers, der den Bahnhof überdecken sollte, Ende der 1990er Jahre. Das gigantische Projekt stolperte jedoch über statische und finanzielle Probleme. Das Nachfolgeprojekt ist das "3do". Entworfen vom portugiesischen Investor Sonae, sollen im 3do die drei Bereich Verkehr, Einkaufen und Freizeit vereinigt werden. Auch dieses Projekt ist noch nicht endgültig in trockenen Tüchern. Dennoch läuft für den Bereich der Verkehrsstation, also der heutige Hauptbahnhof mit einer neuen Ebene über den Gleisen, die Planfeststellung, unabhängig von der Genehmigung des darüber geplanten Einkaufs- und Freizeitzentrums.
In die Diskussion um Sinn und Unsinn dieses Einkaufszentrums möchte sich PRO BAHN nicht einmischen. Als Aufgabe sehen wir jedoch an, die Planfeststellung aus Fahrgastsicht kritisch zu begleiten. Somit hat PRO BAHN Ruhr den BUND bei seiner Stellungnahme für die Naturschutzverbände beratend unterstützt. Im folgenden wird dargelegt, was gut ist an den Planungen zum 3do und in welchen Bereichen nachgebessert werden muss.
Als gut und unterstützenswert sieht PRO BAHN Ruhr die folgenden in den Planfeststellungsunterlagen enthaltenden Umbaumaßnahmen an:
- Die Zugänglichkeit des Bahnhofs für Fußgänger wird verbessert. Der bisherige Personentunnel bleibt erhalten. Eine zusätzliche Verteilerebene, die niveaufrei über eine Fußgängerbrücke am Königswall aus der Innenstadt erreichbar ist, wird oberhalb der Gleise eingerichtet. Von hier aus ist ein direkter Zugang zu den Gleisen per Rolltreppe und Aufzug möglich. Alle Bahnsteige sind sowohl von der oberen Verteilerebene als auch aus dem bestehenden Personentunnel barrierefrei erreichbar.
- Die Verknüpfung zwischen Stadtbahn und DB-Gleisen wird verbessert. Der südliche, heute bestehende Zugang, wird verbreitert und anders angeordnet. Ein durchgehender Aufzug vom Stadtbahnsteig Richtung Innenstadt zum DB-Personentunnel wird installiert. Zusätzlich wird ein neuer Durchgang zwischen DB-Personentunnel und Stadtbahn-Verteilerebene in Höhe der DB-Gleise 26/31 gebaut.
- Die Züge aus Richtung Westfalenhalle (S5, RB52, RB53, RB59) können zukünftig am in den zentralen Bahnhofsbereich verlängerten Bahnsteig der Gleise 4/5 halten. Die Umstiegssituation zu den anderen S-Bahnen, Zügen und der Stadtbahn wird so stark verbessert. Zudem besteht die Möglichkeit der Durchbindung Richtung Hamm bzw. Betriebswerk Spähenfelde. Außerdem wird durch den Neubau des Bahnsteigs 0 am bisher bahnsteiglosen Gleis 1 die Kapazität des "Kopfbahnhofs" erweitert.
Nachbesserungsbedarf sieht PRO BAHN in den folgenden Bereichen:
- Gutachter sehen durch die neuen, massigen Baukörper des 3do die Gefahr der signifikanten Veränderung von Windgeschwindigkeiten. Im einzelnen ist im zentralen Bahnsteigbereich im Bahnhofsgebäude "die Aufenthaltsqualität insbesondere bei kaltem Wetter als extrem schlecht einzustufen". Im Durchgang zwischen neuer und bestehender Bebauung (Nordseite des Königswalls) ist "bei starkem Südwestwind aufgrund von Düseneffekten mit heftigen Windböen zu rechnen, die in Einzelfällen zu Behinderungen und möglicherweise Gefährdungen von Passanten führen können". Die von den Gutachtern vorgeschlagenen Maßnahmen zur Vermeidung dieser Effekte müssen umgesetzt werden.
- Um an den Gleisen 4/5 (Bahnsteig 2) eine flexible Nutzbarkeit für S- und Regionalbahnen ohne gegenseitige Behinderung in der Ein- und Ausfahrt zu gewährleisten, müssen diese beiden Bahnsteigkanten verlängert werden und zur Wahrung des barrierefreien Zugangs vom Bahnsteig zum Zug mit jeweils zwei unterschiedlichen Bahnsteighöhen versehen werden. Der Bahnsteig sollte 290 Meter lang sein, je zur Hälfte mit einer Einstiegshöhe von 96 cm bzw. 76 cm. Beim Bau sollte berücksichtigt werden, dass beide Bahnsteigkanten zu einem späteren Zeitpunkt mit einheitlichen Höhen versehen werden können.
- Die im Anschluss an die Gleise 6/7 (Bahnsteig 3) zu bauende Abstellanlage für die S-Bahnen der Linien S1 und S2 muss durchgehend zweigleisig mit einem doppelten Gleiswechsel erstellt werden, um betriebliche Flexibilität zu gewährleisten. Gleichzeitig sollte die Anlage so errichtet werden, dass sie für eine spätere Weiterführung der S-Bahn zum Brügmannplatz ohne Kreuzung des Gleises 8 geeignet ist.
- Durch die entfallende Metrorapid-Option bietet sich die Möglichkeit, die Bahnsteige 7 und 8 um jeweils 1 Meter zu verbreitern und so Platz für eine zweite Fahrtreppe zu schaffen. In einem Bahnhof mit viel Umsteigeverkehr sollte grundsätzlich die Möglichkeit bestehen, jeden planmäßig genutzten Bahnsteig mit Fahrtreppe erreichen und verlassen zu können.
- Auf der Fläche des optionalen Metrorapid-Bahnsteiges sollte ein weiterer, 300 Meter langer Bahnsteig (Bahnsteig 9) errichtet werden, der dem Sonderverkehr und den Autozügen zur Verfügung steht. Damit stehen die Bahnsteige 1 bis 8 dem Regelverkehr uneingeschränkt zur Verfügung.
Aufgrund der relativ geringen Nutzung der Zugänge kann hier auf Fahrtreppen verzichtet werden. Der Aufzug in den Personentunnel sollte so versetzt werden, dass er sich in Höhe der für den Metrorapidbahnsteig projektierten Fahrtreppe befindet.
- Der westliche Flucht- und Servicetunnel (alter Posttunnel, heute durch die beidseitig angeordneten Lastenaufzüge zu erkennen) sollte zusammen mit den anschließenden Fluchttreppen zu den Bahnsteigen als zweite Unterquerung des Gleisfeldes für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. Zum einen kann er die Umsteigewege zu den Gleisen 1 bis 3 massiv verkürzen, sofern hier auch noch ein Zugang errichtet wird, zum anderen kann man ihn für Radfahrer öffnen, die den Bahnhofsbereich so ebenfalls zügig durchqueren können. Am südlichen Ende dieses Tunnels sollte eine Radstation errichtet werden.
- Der südliche Zugang von der 0-Ebene zur Stadtbahn ist in dieser Bauform nicht praktikabel, da sich die Fußgängerströme so mehrfach kreuzen. Die Fahrtreppen sollten jeweils in Fahrt- bzw. Laufrichtung rechts angeordnet werden, eine abwärts (südöstlicher Bereich), zwei aufwärts (nordwestlicher Bereich). Zwischen den Fahrtreppen ist dann genug Platz für je eine feste Treppe aufwärts und abwärts sowie den Aufzug.
- Für Fahrgäste, die mit den Linienbussen anreisen, um am Hauptbahnhof in die Stadtbahn oder die Eisenbahn umsteigen, scheinen sich die Wege deutlich zu verlängern, da die Bushaltestellen an der Nordseite im Planausschnitt nicht zu erkennen sind. Wir fordern, auf Teile des Parkhauses am Nordeingang zu verzichten und stattdessen eine komfortable Bushaltestelle zu errichten, die gegen den Uhrzeigersinn befahren wird, um möglichst kurze Wege für Umsteiger zu erreichen. Die drei Haltestellen sollten hintereinander in sogenannten Sägezähnen direkt am nördlichen Stadtbahnzugang angeordnet werden.
Zu diesen Forderungen haben PRO BAHN Ruhr und BUND am 25. August 2003 gemeinsam eine Pressemitteilung herausgegeben.
Auch im Rahmen der Stellungnahme zum im September 2003 ausgelegten Bebauungsplan für den Bereich des Hauptbahnhofs hat PRO BAHN den BUND unterstützt. Zentrale Forderung aus Sicht der ÖV-Kunden ist hier neben den Anregungen, die im Planfeststellungsverfahren gegeben wurden, die Positionierung der Bushaltestellen an der Nordseite des Hauptbahnhofs. PRO BAHN fordert hier erneut, die Halteposition der Bushaltestellen möglichst nah an den nördlichen Augang der Stadtbahn zu legen, um den 1.500 Umsteigern ein schnelles um bequemes Wechseln des Verkehrsträgers zu ermöglichen. Konkret wurde eine Verschiebung der vorgesehenen Halteposition an den Nordausgang der Stadtbahn angeregt. Weiterhin wurde von PRO BAHN angeregt, das im Entwurf des Bebauungsplans alleine auf die Dortmunder Stadtwerke eingetrage Fahrrecht in der Zufahrt zu den Bushaltestellen auf alle Linienverkehre im Sinne des Personenbeförderungsgesetzes auszudehnen. So soll verhindert werden, dass bei einer Liberalisierung des Nahverkehrsmarkts in Dortmund oder das Angebot neuer Buslinien durch andere Unternehmen als die DSW Benachteiligungen dieser Unternehmen entstehen. Sie sollten in diesem Falle genauso wie die DSW-Busse den Nordausgang der Stadtbahn direkt anfahren können.
Weitere Informationen zum "3do" finden Sie auch in der Ruhrschiene 2002#2.
Bei Rückfragen -
Ihr Ansprechpartner bei PRO BAHN:
Dominik Vinbruck
E-Mail vinbruck@probahn-ruhr.de
Hinweis: PRO BAHN Ruhr steht in keinem direkten Zusammenhang zum Projekt "3do". Bei Fragen bzgl. Vermietung etc. wenden Sie sich beispielsweise an den Investor Sonae Sierra.
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