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Nachtnetz Rhein-Ruhr
Wenn es zur Zeit in den Städten an Rhein und Ruhr eine einheitliche Tendenz in der Verkehrspolitik gibt, dann ist es der Ausbau des Wochenend-Nachtverkehrs. Als noch vor wenigen Jahren die Dortmunder Stadtwerke ein Netz von Nachtexpress-Bussen ins Leben riefen, ahnte kein Mensch, welchen wirklich durchgreifenden Erfolg dieses Produkt haben würde.
Heute fahren in sechzehn Städten im Bereich des VRR Nachtexpresse (NE); die letzten Linien sind am 25. Mai 2001 in Castrop-Rauxel in Betrieb gegangen, im Herbst werden voraussichtlich neue Linien im Kreis Recklinghausen hinzu kommen. Im Gebiet des VRS fahren mit Köln, Bonn und Leverkusen ebenfalls in den drei größten Städten Nachtbusse bzw. -straßenbahnen. Seit 1999 fahren auf fast allen S-Bahn-Strecken Nacht-S-Bahnen bis gegen drei Uhr nachts. 2000 wurde dann das Produkt Nachtexpress plus ins Leben gerufen; seitdem fahren auf der S 1 und S 6 sowie dem RE 5 Köln – Bonn die Bahnen in den Wochenendnächten durchgehend. Dazu kam im Winter 2000/2001 noch die S 11 Köln – Bergisch Gladbach hinzu. Im Frühjahr 2002 sollte die Nachtlücke bei den S-Bahnen 5 und 8 geschlossen werden; bei einigen S- und RE- Verbindungen wurden zusätzliche Nachtfahrten eingeführt.
Gleichzeitig scheint eine Tendenz sich abzuzeichnen: In den Oberzentren wird ein durchgehender, flächendeckender Nachtverkehr gefahren ab Mitternacht bis morgens zum Betriebsbeginn der normalen Linien. Dieser liegt samstags ungefähr bei 5 – 6 Uhr, sonntags gegen 8 Uhr. In Mittelzentren fahren die Nachtexpresse meist nur bis gegen 3 Uhr nachts.
Städteverbindung mit der S-Bahn?
Diese Städte werden durch die durchgehend fahrenden S-Bahnen S 1 und S 6 sowie bis gegen 3 Uhr durch weitere Linien verbunden. Durch diese S-Bahnen werden allerdings etliche Relationen parallel zum örtlichen Nachtexpress bedient wie Essen Hbf – E-Werden, Bochum Hbf – BO-Langendreer oder Dortmund Hbf – DO-Mengede usw. Neben dieser im Nachtverkehr wohl überflüssigen Parallelbedienung hat diese Verknüpfung der lokalen NE-Netze durch die S-Bahn einen weiteren gravierenden Nachteil: Die Fahrt dauert extrem lange. So dauert die Rückfahrt nach einem Kneipenbummel in der Düsseldorfer Altstadt nach Bochum geschlagene 68 Minuten. Zum Vergleich: tagsüber dauert die Fahrt mit dem RE1 gerade mal 42 Minuten. Hinzu kommen noch teilweise sehr schlechte Anschlüsse an den Hauptbahnhöfen, da die S 1 nirgendwo gleichzeitig aus beiden Richtungen eintrifft, abgesehen davon, dass von den sechzehn NE-Netze betreibenden Städten im VRR gerade einmal fünf ihren Knoten an den jeweiligen (Haupt-)Bahnhof gelegt haben.
Verknüpfung mit einem RE-Netz
Das PRO BAHN-Konzept setzt hier mit den Prinzipien des Integralen Taktfahrplans an. Die Hauptbahnhöfe der heutigen NE-Städte bilden die Knoten eines Grund-Nachtnetzes. Wenn man sich die Fahrzeiten der RE-Linien ansieht, stellt man leicht fest, dass sich diese hervorragend für die Einrichtung eines ITF eignen. So liegen die Hauptbahnhöfe der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn zwischen Duisburg und Dortmund alle etwa 15 Minuten Fahrzeit auseinander (Mülheim/Ruhr ausgenommen), während die Fahrzeit Düsseldorf – Köln und Köln – Bonn bei ungefähr 30 Minuten liegt. Bei einem Halbstundentakt in der Relation Düsseldorf – Dortmund über Duisburg – Essen – Bochum (RE 1) treffen sich die RE-Züge etwa zeitgleich in den Hauptbahnhöfen dieser Großstädte. Eine stündliche Bedienung der folgenden Relationen schafft weitere ITF-Knoten in den restlichen Hauptbahnhöfen und bindet die Mittelzentren mit NE-Verkehr an die Oberzentren an. Dort, wo keine echten ITF-Knoten entstehen, ist für Anschluss in der wichtigen Richtung gesorgt. Als Beispiel wäre Wuppertal-Oberbarmen zu nennen: hier ist nur ein Über-Eck-Anschluss Solingen/Remscheid – W-Oberbarmen – Hagen/Dortmund realisierbar.
RE 1: Düren – Köln – Leverkusen – Düsseldorf (ab hier alle 30 Min.) – Essen – Dortmund
RE 2: Essen – Gelsenkirchen – Recklinghausen – Haltern
RE 3: Duisburg – Oberhausen – Gelsenkirchen – Herne – Dortmund
RE 4: Mönchengladbach – Neuss – Düsseldorf – Wuppertal – Hagen – Dortmund
RB 6: Köln – Brühl – Bonn
RE 9: Düsseldorf – Neuss – Dormagen – Köln
RE 14: Essen – Bottrop – Gladbeck – Dorsten
RB 47: Düsseldorf – Solingen – Remscheid – Wuppertal
Dieses Netz kann beliebig erweitert werden, beispielsweise bis nach Aachen, Münster, Hamm, Wesel, Siegburg oder Krefeld. Zusätzlich können noch einzelne S-Bahnen als Ergänzung des örtlichen Nachtexpresses verkehren; sie besitzen aber keine Netzfunktion mehr.
Halbstundentakt des RE 1
Für den Halbstundentakt Düsseldorf – Dortmund werden auf dem RE 1 vier Umläufe benötigt, genau so viele wie heute auf der S1 nachts im Stundentakt. Ähnlich sieht es in den meisten anderen Relationen aus, die heute noch von Nacht-S-Bahnen bedient werden. Ein zusätzlicher Aufwand im Vergleich zum derzeitigen Angebot besteht also lediglich in der Anbindung neuer NE-Netze wie im Kreis Recklinghausen. Nacht-S-Bahnen hingegen, wo sie von den Anliegerkommunen gewünscht werden, sollten auch von ihnen finanziert werden, da sie ihr eigenes NE-Netz entlasten. So leistet sich die Stadt Düsseldorf gerade mal zwei Nachtexpress-Abfahrt pro Nacht (letzte Fahrt: 2 Uhr ab Heinrich-Heine-Allee), während beispielsweise in Oberhausen bis zu acht Abfahrt in der Nacht zum Sonntag stattfinden. Der Hintergrund: Düsseldorf liegt zentral im Nacht-S-Bahn-Netz der DB, das alle größeren Stadtteile bedient; Oberhausen im Gegensatz wird gar nicht angefahren.
Anpassung der örtlichen Nachtexpress-Netze
Das PRO BAHN-Konzept geht aber natürlich über die Nachtbedienung durch die DB hinaus; die Nachtexpressfahrten der kommunalen Verkehrsunternehmen dürfen ihre Umsteigeknoten nicht mehr an einer x-beliebigen Haltestelle im Zentrum einrichten, sondern nach Möglichkeit am Hauptbahnhof. Dies haben nur Bochum, Duisburg, Gelsenkirchen und Wuppertal von Beginn an eingerichtet; Hagen hat zum letzten Fahrplanwechsel nachgezogen.
In Düsseldorf fahren U- und Straßenbahnen am Wochenende um 1.00 und 2.00 Uhr von der Heinrich-Heine-Allee in die Stadtteile. Nachtexpress (NE 805 bis NE 817) werden hier jedoch die ehemaligen Personalfahrten der Rheinbahn genannt, die die Busfahrer vor Betriebsbeginn zu den Betriebshöfen und nachher nach Hause fahren. Diese Verwirrung von Fahrgästen sollte schleunigst beseitigt werden.
Die Städte Dortmund und Hagen sollten endlich ihre 75-Minuten-Takte aufgeben und ihr NE-Netz derart umgestalten, dass die Busse ebenfalls stündlich fahren; ansonsten sind Anschlüsse von und zu den anderen Städten unmöglich herzustellen.
Bei anderen Städten wie Mönchengladbach ist darauf hinzuwirken, das die Busse auch auf der Rückfahrt in die Innenstadt für Fahrgäste freigegeben werden; laut Fahrplan fahren sie nur aus der Innenstadt heraus. Duisburg hat dies zum Fahrplanwechsel am 10. Juni korrigiert.
Aufgrund der knappen Wendezeiten der Nachtexpresse ist oftmals ein sicherer beidseitiger Anschluss zwischen RE und NE nicht realisierbar. Da vielfach die Zentren des Nachtlebens in der Nähe des jeweiligen Hauptbahnhofes liegen, ist mit Priorität der Anschluss von der DB zum örtlichen NE sicher zu stellen. Ausnahmen bilden sicherlich die Düsseldorfer Altstadt sowie die Neue Mitte Oberhausen. Hier ist ein Zubringerverkehr zum jeweiligen Hauptbahnhof einzurichten.
Toni Deenen
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